Die Mission in Ostafrika und Uganda.
Nehmen wir den Sambesi als Nordgrenze des östlichen Südafrika, so zeigt uns
die Karte, dass die Naturgrenze sich nicht mit der politischen deckt, denn im
Osten setzt sich das portugiesische Mosambik nördlich vom Sambesi fort, und an
das britische Matebeleland schließt sich nördlich vom Sambesi Britisch -
Zentralafrika an. Dann folgt, nördlich von Rovuma, im Osten vom Indischen
Ozean, im Westen vom Tanganjikasee und vom Kongostaat begrenzt, Deutsch -
Ostafrika, das den höchsten Berg Afrikas, den Kilima=ndscharo, und die
Südhälfte des größten afrikanischen Sees, des Viktoria Njansa, in sich
schließt. Nördlich vom Kilima=ndscharo, und die Nordhälfte des Viktoriasees
umfassend, folgt dann Britisch - Ostafrika, und an dieses schließt sich die
ungeheuere britische Interessensphäre, die die Länder des oberen und mittleren
Nil und Ägypten in sich begreift und nordwestlich bis an die zunächst noch
unter türkischer Botmäßigkeit stehenden Staaten Tripolis mit Fessan und Barka
reicht. Ein Stück land am Golf von Aden ist außerdem noch eigentliches
britisches Schutzgebiet. Allerdings ist das ungeheuere Gebiet britischen
Einflusses an einigen Stellen unterbrochen. Im Nordwesten von Britisch -
Ostafrika bildet der Jub die Grenze gegen einen schmalen Streifen italienischen
Gebiets, das sich an der Ostküste bis zum Kap Guardafui, dem östlichen Punkt
Afrikas, hinzieht. Ferner besitzt Italien an der Südwestseite des Roten Meeres
die Kolonie Eritrea. An die Eritrea grenzt der unabhängige Staat Abessinien. Am
Südende des Roten Meers, zwischen italienisches und englisches Gebiet
eingeklemmt, besitzt Frankreich einen kleinen Landstrich.
Man hat den Eindruck, als sei Ostafrika, das die höchsten Berge und die
größten Seen des Weltteils enthält, in dem die Quellgebiete von dreien der
vier größten afrikanischen Ströme liegen, seiner natürlichen Beschaffenheit
nach der bedeutendste Teil Afrikas. Die Fruchtbarkeit ist aber wegen häufiger
Dürre und Heuschreckenplage nicht überall groß; auch findet sich in den
wilden Gebirgsländern viel nicht anbaufähiges Land. Die Bewohner gehören der
Banturasse an; gegen Norden folgen dann im Osten hamitische Völker wie die
Galla, im Westen Sudan - Neger. Die Suaheli (Eigentlich Wasuaheli, d.h. Bewohner
des Sahel, der Küste.) der Ostküste sind ein Mischwolk aus Eingeborenen und
Arabern. Ihre Sprache, das Kisuaheli, ist eine durch das Arabische, Persische
und Portugiesische stark beeinflußte Bantumundart. es ist die Handelssprache
Ostafrikas und wird von Königen und Häuptlingen bis tief ins Innere hinein
verstanden.
Im Vergleich mit West- und Südafrika ist Ostafrika noch ein junges
Missionsgebiet. Erschlossen wurde es für die Mission hauptsächlich durch die
ersten Missionare Krapf und Rebmann, durch Livingstones große Reisen und durch
Stanleys denkwürdigen Besuch bei König Mtesa von Uganda im Jahre 1875. Einen
weiteren Anstoß bekam die Missionstätigkeit durch Deutschlands eingreifen in
Ostafrika.
Britische Mission in Ostafrika.
Im Mai 1844 landete Krapf, ein Württemberger im Dienste der Engl. -
kirchlichen Mission, auf der Insel Mombasa und gründete auf dem Festland in
Rabai, unter dem Volk der Wanika, die erste evangelische Missionsstation in
Ostafrika. Schon nach zwei Monaten starb seine Frau und sein einziges Kind. Er
schreib damals an den Vorstand seiner Gesellschaft: " Sagen Sie unseren
Freunden, dass in einem einsamen Grab an der afrikanischen Küste ein Glied der
Mission ruht, das mit Ihrer Gesellschaft in Verbindung steht. Das ist ein
Zeichen, dass Sie den Kampf mit diesem Weltteil begonnen haben, und da die
Stiege der Kirche über die Gräber von vielen ihrer Glieder führen, so können
Sie um so gewisser überzeugt sein, dass die Stunde naht, in der Sie berufen
sind, Afrika von der Ostküste aus zu erobern."
Krapf und sein Mitarbeiter Rebmann versuchten zum erstenmal von Osten her in
den dunkeln Weltteil einzudringen. Sie sahen von ferne den Kilima=ndscharo und
den Kenia und sammelten Nachrichten über den großen See, der sich weiter im
Innern befinden sollte. Manche sehr gelehrte Leute schüttelten ungläubig den
Kopf über die Berge, die die Missionare gesehen haben wollten, aber
schließlich zeigte es sich, dass sie nicht etwa das auf alten Karten
verzeichnete fabelhafte Mondgebirge zu sehen sich eingebildet hatten, sondern
wirkliche Bergriesen entdeckt hatten. Später stellten Rebmann und Erhardt eine
nach zuverlässigen Angaben sehr gewissenhaft gearbeitete Karte jener Gegend
zusammen. Sie konnte natürlich nicht in den Einzelheiten richtig sein. Das
auffallendste darauf war ein riesiger See - so lang wie die Entfernung zwischen
Berlin und Rom. Diese Karte, die im Calwer Missionsblatt und dem Monatsblatt der
Engl. kirchlichen Mission veröffentlicht und auch der geographischen
Gesellschaft in London vorgelegt wurde, gab die Veranlassung zu der Reise von
Burton und Seke im Jahre 1857. Diese entdeckten den Tanganjikasee, und im Jahre
darauf (1858) fand Speke den noch viel größeren Uferewe, den er Viktoriasee
nannte. Der ungeheure See der Karte löste sich also in zwei Seen auf.
Die Arbeit Krapfs und Rebmanns unter den stumpfen Wanika war recht schwer und
fast hoffnungslos. Lange war ein 1850 getaufter Krüppel der einzige Bekehrte.
1853 kehrte Krapf mit gebrochener Gesundheit nach Deutschland zurück. Rebmann
arbeitete weiter und konnte im ganzen 20 Wanika taufen. 1875 musste er,
erblindet, die Arbeit augeben. Aber Rabai war schon nicht mehr die einzige
Missionsniederlassung in Ostafrika, das inzwischen vielfach bereist worden war.
Der Deutsche von der Decken war bis an den Fuß des Kilima=ndscharo
vorgedrungen; die großen Nilquellenforscher Burton, Speke , Grant und Baker
hatten ihre Entdeckungsreisen gemacht; Livingstone hatte sein Leben dem Wohle
Afrikas geopfert und war 1873 in Jlala gestorben. Er hat unmittelbar und
mittelbar zu einer vielfältigen Missionstätigkeit in Ostafrika den Anstoß
gegeben. Schon 1859 wurde auf seine Anregung die von Oxford, Cambridge und
Dublin ausgehende Universitätenmission gegründet.
Die Missionare legten im Schirhochland eine Station an, aber bald starben
mehrere von ihnen, sowie ihr Führer, Bischof Mackenzie. Sein Nachfolger
war entmutigt, und zu Livingstones Schmerz wurde die Mission nach Sansibar
verlegt. Aber als Anfang der 70er Jahre für die ostafrikanische Mission eine
neue Zeit anbracht, kam auch in die Universitätenmission wieder ein frischer
Zug. sie hat vor der Stadt Sansibar eine Anstalt zur Erziehung befreiter
Sklavenknaben, die ungefähr 100 Kinder beherbergt und in der auch Prediger
herangebildet werden. Weniger begabte Kinder werden zu Handwerkern erzogen. Im
Mittelpunkt der Stadt, auf dem ehemaligen Sklavenmarkt, erbaute Bischof Steere
die schöne Christuskirche, die den Mittelpunkt einer Reihe christlicher
Anstalten, wie Kleinkinderschule, Krankenhaus, Gesellenheim, Seemannsheim usw.
bildet. Südlich liegt, auch uu der Mission gehörig, das freundliche Dörfchen
Mbweni, eine Niederlassung befreiter Sklaven.
Unter den sehr tüchtigen Bischöfen Steere und Smythies hat
die Universitätenmission auch wieder die Arbeit auf dem Festland aufgenommen
und in Usambara, am Rovuma und am Njassa Stationen gegründet. Im Jahre 1902
hatte sie 6000 Christen und 5000 Schüler, an denen 2 Bischöfe, 70 Missionare
und 52 "Schwestern" arbeiten. Die Missionare sind meistens
unverheiratet und leben, ebenso wie die Schwestern, in etwas klösterlicher
Weise, wie denn überhaupt diese Mission leider eine immer mehr katholisierende
Richtung annimmt.
Nachdem besonders durch Livingstone die Greuel des ostafrikanischen
Sklavenhandels bekannt geworden waren, ging England tatkräftig dagegen vor. und
Sir Bartle Frere zwang dem Sultan von Sansibar einen Vertrag ab, in dem
er sich zur Unterdrückung des Menschenhandels verpflichtet. Die Engl.-
kirchliche Mission beschloss, sich der durch die englischen Schiffe befreiten
Sklaven anzunehmen, und gründete für sie in der Nähe von Rabai im Jahre 1874
die Kolonie Freretown. von hier aus dehnte sich die Mission sowohl an der
Küste als auch weiter ins Innere aus. Zwei Stationen, Taita und Taweta, liegen
auf dem Weg nach Uganda die Mission hatte 1899 2200 Christen.
Livingstones
tot
war besonders seinen Landsleuten, den Schotten, ein Weckruf,
sich Ostafrikas anzunehmen. Sowohl die Staatskirche als die Freikirche folgten
dem Ruf und drangen vereint in Ostafrika ein. Der Dampfer Ilala, so genannt nach
dem Ort, wo Livingstone sein Leben aushauchte, fuhr den Schire hinauf, wurde vor
den Wasserfällen auseinandergenommen und von 800 Eingeborenen, die sich über
die Ankunft der Schotten freuten, hinaufgetragen. Nachdem er oben wieder
zusammengesetzt war, fuhr er am 12. Oktober 1875 in den Njassa ein. Am Südende
des Sees, am Kap Mac Lear, wurde eine vorläufige Niederlassung gegründet, die
den Namen Livingstonia erhielt. Dann wurde der See umschifft und durchforscht,
zum Schrecken der Sklavenfänger, deren traurige Spuren verbrannte Dörfer und
bleichende Gebeine zeigt.
Die Schottische Staatskirche hatte das Glück, mit ihren ersten Missionaren
einen gerade in der Pionierarbeit besonders erfahrenen Mann aussenden zu
können, und sie fiel auch die Anlage der ersten Station, die nach dem
Geburtsort Livingstones Blantyre genannt wurde, sehr glücklich aus. Man wählte
das 1000 Meter über dem Meer gelegene, gesunde Hochland des Schire. Die Mission
sollte besonders auch eine Industriemission werden, und man sandte sogar anfangs
ga keine ordinierten Missionare aus. Dies war freilich ein Fehler. Die
Laienmissionare waren den schwierigen Verhältnissen nicht ganz gewachsen. Sie
meinten, sie müssten auf dem großen Landstrich, den ein Häuptling der Mission
geschenkt hatte, die Gerichtsbarkeit übern, und dies führte zu unangenehmen
Verwicklungen. Das Missionskomitee ließ die Sache untersuchen, berief alle
Missionare ab und organisierte die Mission von Grund aus neu. Seither hat sie
sich gedeihlich entwickelt. In Blantyre steht jetzt eine schöne, fast ganz von
Eingeborenen erbaute Kirche, wohl eine der schönsten in ganz Afrika. Die
Kaffeepflanzungen der Brüder Buchanau und die in christlichem Geist geleitete
Handelsgesellschaft Afrikcan Lakes Company, die von der Mündung des Sambesi bis
zum Tanganjika - Hochland eine Kette von Faktoreien hat, geben den Eingeborenen
Gelegenheit zur Arbeit. Die ersten Kaffeepflanzen der Gegend stammten aus dem
Missionsgaren von Blantyre. Die Zahl der Getauften in Blantyre und den
Nebenstationen betrub 1902 etwa 1300, die der Schüler über 2000.
Die erste Station der Schottischen Freikirche war sehr ungesund und mußte
deshalb aufgegeben werden. Die Hauptstation ist jetzt Bandawe, in der Mitte des
westlichen Seeufers, gegr+mdet 1881. Von hier dehnt sich dei Mission nach Süden
und Norden aus. Im Süden arbeitet mit den Schotten gemeinsam die Mission der
Kapschen reformierten Kirche. Die freikirchlichen Missionare pflegten mit
besonderem Eifer das Schulwesen. In 207 Schulen werden über 15 000 Knaben und
Mädchen unterrichtet, und es wird ddurch natürlich ein weitreichender Einfluß
geübt. Auf der Kondowi - Hochebene, westlich von der Florence - Bai, wurde 1895
die "Livingstonia Institution", eine der Schule in Lovedale
nachgebildete Angstalt, eröffnet. 1902 zählte die freikirchliche Mission etwa
4000 Getaufte und Taufbewerber. Die Zahl wäre vielleicht größer, wenn die
Schotten nicht mit der Erteilung der Taufe sehr vorsichtig wären. Die Getauften
sind vielfach eifrige Lehrer, Katechisten und Evangelisten. Zwanzig europäische
Missionare sind fast etwas weniger für das ausgedehnte Gebiet, auf dem neun
Sprachen und Mundarten geredet werden. Sieben davon sind zu Schriftsprache
erhoben worden, und ins Tschinjandscha ist ein großer Teil der Bibel
übersetzt.
Auf dem Hochland nördlich von Bandawe lebt ein kriegerischer Zulustamm,
unter dem ein frommer, in Lovedale ausgebildeter Zulu, William Kotschi, und der
Missionsarzt Elmslie der Mission Bahn gebrochen haben. Die Stationen Nbschuju,
Tschinjera Ekwendeni gehören in dieses Gebiet.
Auch die Londoner Missionsgesellschaft, der ja Livingstone angehört hatte,
wollte in Erinnerung an ihren berühmtesten Missionar die Arbeit in Ostafrika
beginnen. Sie erwählte sich als Arbeitsgebiet den Tanganjikasee und als
Ausgangspunkt Udschidschi, wo einst Stanley Livingstone gefunden hatte. Unter
großen Verlusten an Menschenleben, unter Feindseligkeit der Sklavenhändler und
andern Schwierigkeiten hat die Mission nicht recht gedeihen können und sie
besitzt jetzt nur noch drei Stationen am Südende des Tanganjika. Die Station
Urambo in Deutsch - Ostafrika ist an die Brüdergemeinde abgetreten
worden.
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