Mentalität
und Partnerschaft
|
|
Einleitung:
Liebe
Freunde, meine Damen und Herren,
ich
darf Sie alle herzlich begrüßen und mich für die Einladung bedanken.
Viele hier kennen mich schon, nur einige nicht.
In
Marangu (Kilimanjaro) beheimatet, besuchte ich dort eine lutherische Primär-
und Mittelschule. Dann die lutherische Sekundärschule in Arusha und
abschließend eine katholische Oberschule in Bukoba am Viktoriasee, bevor
ich zum Studium nach Europa kam.
Vorhin benützte ich das Wort Heimat und muß ergänzen, daß ich 2
davon habe, Deutschland und Tanzania. Fraglich ist, ob ich Tanzania
pauschal als Heimat nennen kann. Wie viel weiß ich eigentlich von diesem
große Land (ca.2 ½ mal so
groß wie D)? Viel zu wenig, außer was ich gelesen habe. Deshalb traue
ich mich nicht, zu großartig
über Tanzania zu reden, denn jede der 120 Volksgruppen (Stämme) hat eine
andere Lebensweise und doch muß darüber geredet werden. Man kann
im allgemeinen über Politik,
Schulmedizin, Wirtschaft, Bildungswesen u.ä. erzählen, aber nicht über
Kultur, Mentalität u. a.. Vorerst reden wir über Tanzania.
Liebe Freunde, auch ohne eine Schule besucht zu haben, kennen viele
ihre Geschichte wenigstens bis zur Großmutter/Großvater und wenn mehr
erforderlich ist, kann man sich durch
Erzählungen oder Lesen informieren.
Diese Informationen zeigen uns u.a. die Stetigkeit der Familie bzw. der
Nation. Die fragliche, geschriebene, junge Geschichte Tanzanias zeigt eine
große Unstetigkeit besonders in Politik und Wirtschaft.
Im späten 19. Jahrhundert waren die Deutschen im Lande und bauten
einige Strukturen in Wirtschaft, Verwaltung u. a. nach ihren eigenen
Vorstellungen auf. Nach dem 1. Weltkrieg krempelten die Engländer
diese Strukturen erneut nach ihren eigenen Maßstäben um, bis Tanzania
seine politische Unabhängigkeit 1961 erlangte. Seitdem haben wir jetzt
den 3. Präsidenten. Ist das denn kontinuierlich?
Anfangs mußte eine richtig funktionierende große Gemeinschaft aus
120 verschiedenen, in sich funktionierenden Kulturen zusammengebaut
werden. Die Politik der 1. Republik konzentrierte sich darauf die
Kolonialgefüge zu verändern, aber mittendrin veränderten sich die
Weltpolitik und somit auch die Politik Tanzanias. Der Präsident der 2.
Republik mußte sich dieser neuen
Weltordnung anpassen, d.h. die FREIE MARKTWIRTSCHAFT nach der klassischen Definition einführen.
Leider waren zu diesem Zeitpunkt die notwendigen Strukturen und
Kontrollmechanismen nicht vorhanden, daher entstand ein Selbstbedienungsladen.
Jetzt
ist die Aufgabe des neuen Regierungschefs sehr schwer, den richtigen
Weg einzuschlagen, um das Wohlergehen der Mehrheit der Tanzanier zu
erreichen und erhalten. Wie schwer diese Aufgabe ist, haben Sie oft in
Tanzania-Information, Blick in die Welt, Zeit für Mission u.a. gelesen.
(Missionswerk).
Im
August/September 1996 war ich in Tanzania und mußte folgendes feststellen
:
a) Es wurden viele Steuern eingetrieben nach den Auflagen der internationalen Gemeinschaft, aber die Bevölkerung
sieht keine Entwicklung, da das Geld momentan nur für die Schuldentilgung
verwendet wird. Natürlich - wer
Schulden macht, muß auch zurückzahlen - oder? Aber versteht das auch die
breite Masse der Bevölkerung?
b) In meinem Dorf waren ungewöhnlich viele junge Leute ohne Aufgaben
und Arbeit und dies bedeutet Unruhe in der Gemeinschaft.
Man
soll die Hoffnung nicht verlieren - Optimismus ist die Devise!
Oder hat alles
mit der falschen Mentalität zu tun?
|
|
Apropos Mentalität!
Mentalität
zu beschreiben ist schwierig, da es dauerhafte Ansichten gibt und jene,
die nur vorübergehend, unter den gegebenen Umständen, vorhanden sind.
Wenn wir z.B. Schenkungen betrachten, gibt es einerseits
Leute, die immer auf Geschenke
warten oder auch verlangen, andrerseits gibt es Leute, die diese Geschenke
nur gezwungenermaßen annehmen. Um einen gewissen Kontrast über die
allgemeinen Denk- und Lebensweisen der Tanzanier bzw. Afrikaner und der
Deutschen zu ziehen, muß ich
mich auf einige Beispiele beschränken:
|
|
1) Zeitbegriff:
Die Afrikaner leben nicht nach der Uhr, sondern mit
der Zeit, nur so können sie die Fassung bewahren, wenn die Dinge nur
langsam oder gar nicht in Bewegung geraten. Sie stehen stundenlang,
manchmal auch Tage und warten auf den Bus, stundenlang warten sie auf den
Arzt und vielleicht kommen sie auch nicht dran. Stundenlang warten sie am
Wasserbrunnen und jetzt stellen Sie sich vor, sie würden die Uhr
anschauen.
Der
Deutsche glaubt, es muß alles schon gestern geschehen sein.
Hier
fragen sich die Afrikaner warum. Beide aber denken an Zeiteinteilung,
wobei einer auf schnelle Lösung beharrt und der Andere mehr Geduld
aufweisen kann. Es wird behauptet, daß die Afrikaner mehr an das Heute
denken und sich auf die
Vergangenheit beziehen. Ich teile diese Idee teils - teils.
Warum
z.B. bringt ein Afrikaner sein Kind zur Schule und kämpft, damit es
weiter kommt. Die Anwort dafür ist, um die eigene Altersversorgung zu
sichern . Für Kleinigkeiten, wie Essen und Trinken ist das Heute wichtig,
aber für langfristige Investition, z.B. Schule, denken die Eltern lange
nach, wie sie das Schulgeld beschaffen können. Wenn es um die Zukunft und
Investition im Sinne des Industriezeitalters geht, dann ist die Frage von
Rücklagen, Rente u.ä. relevant. Ist Njombe, Makambako, Konde, usw. denn
schon so weit, daß sie an eine Zukunft nach deutschem Muster denken können?
Die Antwort ist Nein.
Nehmen
wir eine Maismühle als Wirtschaftsprojekt an und handeln wir nach
Wirtschaftlichkeitsregeln. Vom ersten Tag an würden wir Rücklagen für
eventuelle Reparaturen beiseite legen. Gleichzeitig müssen wir an
Amortisation denken. Jetzt bekommen wir Besuch, haben dafür aber kein
Geld zur Verfügung. Oder dringend notwendige Medikamente für das
Krankenhaus sind ausgegangen.
Dann
ist man gezwungen, aus dem Mühlentopf
Geld abzuzweigen. Und hiermit wäre das Wirtschaftsdenken im
Eimer.
Das
Zusammenspiel zwischen Sozialem und Wirtschaft bleibt momentan in Tanzania
sowohl privat, als auch institutionell schwierig zu optimieren.
|
|
2) Gefühle:
Die Afrikaner im allgemeinen enthüllen kaum tiefer
gehende Gefühlsregungen, seien sie aus Freude, Leid oder Liebe. Sie
sprechen auch wenig über ihre Probleme und das sexuelle Leben. Ein
Afrikaner kann nicht verstehen, daß ein Erwachsener in der Öffentlichkeit
ganz hüllenlos ins Wasser hineinspringt - undenkbar!
Das
Baden mit Bikini und Schwimmhosen entspricht nicht einmal dem Wunsch der
Städter, im Dorf kann man es sowieso vergessen. Es ist dann kein Wunder,
wenn die Partnerschaftsfrauen als Gastgeberinnen höflichkeitshalber mit
dem Gewand ins Wasser springen oder laufen. Im normalen Fall würden auch
die Afrikaner, die lange in Deutschland leben, nicht zum FKK gehen. Ich
bin überzeugt, daß vor der Industrialisierung und der Verstädterung
auch hier nicht anders gehandelt wurde. Oder?
|
|
3) Mzungu:
(das
bedeutet „Europäer“
bzw. „Weißer Mensch“)
In den Augen der Afrikaner ist ein Mzungu
mächtig, Alles-Wisser und Alles-Könner.
Durch Ausbildung der Afrikaner werden diese Werte abgemildert, aber die
wirtschaftliche Abhängigkeit von den Wazungus bringt diese Unterschiede
immer wieder auf die Tagesordnung. Im Gegenteil, die Deutschen schauen im
allgemeinen auf die Afrikaner als untauglich herab,
auch wenn sie glauben, deren
Lebensumfeld zu kennen und zu verstehen. Es bleibt in vielen Köpfen hängen,
daß die Afrikaner von Planen, Vorratshaltung, Verwaltung u.ä. keine
Ahnung haben, aber von Korruption, High-life und Frauen.
|
|
4) Umgang mit der Umwelt:
Der Mensch tendiert dazu, erst zu zerstören,
um dann mit Freude wieder aufzubauen, so glaube ich wenigstens.
Erst zerstörten die Europäer die eigene
Flora und Fauna und jetzt zeigen sie mit dem Finger auf die Anderen. Viel
wird darüber geredet, aber die Produktion von Giftstoffen geht weiter. Es
wird immer gefragt, warum die Entwicklungsländer mit dem Abholzen nicht
aufhören. Sicher - das sollten sie auch! Aber
nur durch das Schlagen von Feuerholz
wird der Wald nicht kaputt gemacht, sondern mehr durch das Geschäft mit
den Edelhölzern, die von den Industrieländern
nachgefragt werden.
|
|
5) Umgang
mit Mitmenschen:
Für die Afrikaner kommt erst der Mensch und dann alles andere.
Wenn z.B. ein Afrikaner zur Arbeit muß und plötzlich kommt jemand mit
einem bestimmten Anliegen vorbei, dann muß man diesem zuerst zuhören,
denn die Arbeit kann warten. In Deutschland wird meistens mit dem „ich
rufe Dich an“ geantwortet und die z.B. dringend benötigte Seelenmassage
entfällt. Manche Leute meinen, daß diese zu freundliche Haltung zu Elend
und Armut führt. In der Bibel steht aber, daß Geben seliger ist als
Nehmen, was sagt die Marktwirtschaft dazu? In der Armut halten die
Menschen eher zusammen, als im Reichtum. So war es zum Beispiel in Europa
nach den Kriegen und so ist es im Dorfleben in Tansania. Die Menschen
haben individuell keine Zeit zum Grübeln, aber sie helfen sich
gegenseitig. Trotz Armut stellt man fest, daß die Menschen Zeit haben zum
Lachen und Freuen in der
Gemeinschaft, im Gegensatz zu den reichen Individualisten. Die Philosophie
sagt:“ Jedes Lachen verlängert das Leben“. Geld ist wichtig, aber
nicht die Hauptsache.
|
|
6) Umgang
mit Technik:
Der Deutsche nimmt an, daß jeder die Technik verstehen muß. Aber
seinerzeit, bei der Einführung von Computern
in den Betrieben, gab es viele Diskussionen aufgrund der
Unbekanntheit. Heute ist es
fast eine Selbstverständlichkeit. Für den Afrikaner ist es vor allem
wichtig, daß die Technik funktioniert (z.B. das Auto fährt) und Gott möge
für die Sicherheit sorgen. Erwarten wir nicht, daß der Umgang mit der
Technik für einen Tansanier so
selbstverständlich ist, wie für einen Europäer. Manche Enttäuschungen
werden nicht zu vermeiden sein, wenn eine gemeinsam finanzierte,
technische Einrichtung nicht so funktioniert, wie man es erwartet, da außer
Technik andere gesellschaftliche Probleme auftreten können. Ist es überhaupt
ratsam für eine Kirchengemeinde unternehmerische Tätigkeit durchzuführen?
Das ist sicher ein Punkt über den man eingehend nachdenken sollte.
|
|
7) Arbeit:
In Afrika arbeitet man soviel wie nötig und lebt in seiner heilen
Welt, solange man durch keine fremden Einflüsse gestört wird. Sinn der
Arbeit ist es, bewußt zu genießen. Ich verherrliche die
Hand-zum-Mund-Denkweise nicht, aber wenn man nur an Sparen und
Zukunft denkt vergißt man heute zu leben.
|
|
Partnerschaft:
Wie
wir alle wissen, ist Partnerschaft keine leichte Angelegenheit, und
trotzdem suchen wir sie. Viele hier wagten sich in eine
Missionspartnerschaft ohne zu wissen, worauf man sich einläßt. Warum
macht man es überhaupt ?
a) Will man Einfluß gewinnen?
b) Ist es eine Flucht vor eigenen Problemen?
c) Modeerscheinung?
d) Kulturexport?
e) Geschäftsraum erschließen?
f) Etwas
lernen?
Hier
folgen Fragen auf Fragen. Persönlich begrüße ich Ihre Entscheidung,
diese Partnerschaft einzugehen. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß es
sich hier um ein Geben und ein
Nehmen handelt. Hat der arme Tanzanier überhaupt etwas zu geben??? Und da
besteht die Gefahr der sogenannten „gutgemeinten Partnerschaft“.
Meine
Beobachtungen:
a) Die Tanzanier sagen, wir können dem Partner sowieso nichts
bieten.
b) Die Deutschen bieten viel materielle Unterstützung an, aber
beim Geld hört die Freundschaft auf.
Stimmt es?????
|
|
1) Partnerschaft und Begegnung:
Liebe
Freunde, Sie sagen immer der „Ton macht die Musik“! Es gibt viele
Theorien und Vorschläge über den Umgang miteinander. Vergessen wir bitte
nicht, daß in Tanzania immer noch den Alten eine große Rolle zugestanden
wird. Danach kann die Gesellschaftsposition, die sowieso europäisch
angehaucht ist, betrachtet werden. Ist es nicht eine deutsche Tugend, Würdenträgern
höheren Respekt beizumessen, und warum gesteht man das den Afrikaner
nicht zu? Mir gefällt der Gedanke nicht, daß ein afrikanischer Würdenträger
leichter zu duzen ist als ein Deutscher, und warum wohl? Nehmen wir an,
eine Diskussion (Begegnung) mit einem Pfarrer, Lehrer oder auch einem
Bischof. Wie ist der Empfang, die Durchführung der Diskussion und die
Verabschiedung? In der Regel gibt es einen höflichen Empfang, auch wenn
das Diskussionsthema nicht angenehm ist. Die Unterredung kann manchmal
heftig sein, aber man vergißt nicht die Stellung, die diese Person
bekleidet. Auch wenn einer sich emotional daneben benimmt, wird er von den
anderen gerügt oder zur Ordnung gebracht. Der Ruf nach Ordnung ist um so
schwieriger, je höher der Betroffene gestellt ist. Trotzdem erscheint es
vernünftiger dem Betroffenen etwas zu sagen, als stillschweigend die
Sache auf sich beruhen zu lassen. Was passiert, wenn der Gast mit
bestimmten Punkten nicht einverstanden ist? Er lehnt
sie ab oder stellt sie zurück. Was passiert, wenn der Gast ein
Afrikaner ist? Dann sieht die Sache ganz anders aus, weil :
a)
Aus Höflichkeit
kann er weder ablehnen noch zurückstellen sondern egal wie, er muß eine
Antwort geben, da die Zuhörer meistens ungeduldig sind.
b) Auch wenn er eine bestimmte höhere
Gesellschaftsposition bekleidet, ist er
gegenüber seinen Hörern relativ arm, und arme Leute haben gefälligst
zu tun, was sie gesagt bekommen - oder?
c)
Die Zuhörer
meinen viel besser zu wissen
was besonders gut wäre für den Gast, z.B. Projekte, Vorgehensweise in
seiner Gemeinde und auch welche Präferenzen einzusetzen sind. Aber ist
das wirklich so? Mag sein, daß die Zuhörer zu einigen Punkten Empfehlungen geben können, was auch nicht verkehrt wäre,
aber dies muß sachlich, behutsam und ohne Emotion durchgeführt werden.
Wenn
man an dieser Regel festhält, dann erreicht man mehr bei gemeinsamen
Programmen, Projekten und Glauben. Wenn eine Seite eine Art Diktat
empfindet, dann ist das gegenseitige Vertrauen kaputt und übrig bleiben
gewöhnliche materielle Transfers.
|
|
2) Besuche:
Betrachtet
man die gegenseitigen Besuche und die daraus resultierende Begeisterung
der Gemeindeglieder auf beiden Seiten, dann muß man nur sagen „weiter
so!!“.
Begegnung
ist eine der wichtigsten Säulen der Partnerschaft, um einander zu
verstehen und auf einander zugehen zu können, ist die Begegnung eine
wichtige Notwendigkeit. Aufgrund der riesigen Entfernung
sind große Geldsummen für diese Begegnungen erforderlich und
leider muß der reichere Partner dafür gerade stehen. Viele hier werden
einwenden:
Es ist doch sinnvoller das Geld für die Begegnung
den ärmeren Partnern direkt
zu geben, um deren Not zu lindern, anstatt herumzureisen und unseren Brüdern
und Schwestern noch das Wenige wegzuessen und die Not noch größer zu
machen?
Können wir Euch oder euren Partnern den Kulturschock
zumuten?? Die Strapazen der Reise auf den schlechten Straßen, Malaria,
das Essen, Wasser, hygienische Verhältnisse, Kultur und die Sprache? Oder
umgedreht, den Wohlstand, das Essen, die Kultur und Lebensweise, die freizügige
Kleidung der Frauen, Freizeit (was ist das), die Sprache, die
Gottesdienste (kurz), Jugend, Alkoholkonsum auch bei kirchlichen
Veranstaltungen und in christlichen Familien?
All dieses läßt
sich nur durch Reden miteinander verständlich machen. Deshalb sind persönliche
Begegnungen absolut wichtig und haben unter Umständen Vorrang vor einem
Projekt.
Wie
kommt eine Begegnung zustande? Wer fährt hin, wer soll herkommen?
Welche
Rolle spielen die Hierarchien in den Partnerschaftsausschüssen?
Hier
wie dort sind die Männer in den Partnerschaftsausschüssen meistens sehr
stark vertreten. Werden dadurch die Frauen benachteiligt? Die Erfahrung
hat gezeigt, daß durch die Entwicklung der Partnerschaft der Austausch
von Frauen sehr stark vertreten ist.
Es ist möglich geworden, durch eine gesunde Entwicklung der
Partnerschaft.
Was
machen z.B. die Frauen mit ihren kleinen Kindern, wenn sie reisen?
Da
die Kinder in Tanzania in Großfamilien aufwachsen, ist die ausschließliche
Bindung an die Mutter nicht so groß, wie in Deutschland und dadurch ist
es leichter für die tanzanische Frau zu reisen, auch wenn sie Kleinkinder
hat. Aber wie verhält sich der Mann, auch wenn er mit der Reise
einverstanden war. Nimmt er die Erfahrungen der Begegnung hin und
akzeptiert Neuerungen?
Liebe
Freunde, bei allen Begegnungen erfährt man Positives und Negatives, was
man mit seinem Partner anschließend erörtern würde und das Verständnis
wäre vielleicht besser, wenn man die Erfahrungen gemeinsam machen könnte.
Am
Beispiel Töpferei vermute ich, daß die Männer den Sinn dieses Vorhabens
noch nicht verstanden haben und daher stärken sie ihren Frauen nicht den
Rücken. Würden sie es verstehen, würden sie ihre Frauen unterstützen
und das Projekt würde erfolgreich. Hier werden wieder viele Frauen sagen
„typisch Mann, alles müssen sie entscheiden“. Leider sind die
patriarchalischen Gefüge in beiden Gesellschaften noch sehr stark
vorhanden, besonders in ländlichen Gebieten. Deshalb ist es wichtig die Männer
mit einzubeziehen, auch wenn es sich um häusliche und gesellschaftliche
Belange handelt.
|
|
3) Private Kontakte innerhalb und
außerhalb der Partnerschaft
Kann
und darf man als Missionsbeauftragte/er private Kontakte innerhalb und außerhalb
der Partnerschaftsgemeinden pflegen? Persönlich meine ich, daß man das
nicht ausschließen kann und soll, denn hier kann man einige Informationen
und Anregungen bekommen, die man in der Regel offiziell, aufgrund der
Mentalität, nicht erfahren würde.
Je vertrauter man miteinander ist, desto mehr öffnet man sich dem Partner
und spricht über wirkliche Probleme. Allerdings bei Schenkungen ist
Vorsicht geboten, denn wenn man z.B. 2 Kinder hat und jedem einen Teller
hinstellt, schielt jedes Kind auf den Teller des anderen, warum wohl?,
weil jedes glaubt, daß der Andere bevorzugt wurde. So ist es auch bei den
Erwachsenen. Persönliche Geschenke - ja, aber bitte mit Augenmaß,
wohlgemerkt, keine europäischen Maßstäbe, wodurch Neid geschürt wird.
Neid ist eine menschliche Eigenschaft
mit der jeder Einzelne fertig werden muß.
Das
10. Gebot sagt uns:“ Gönne
deinem Nächsten was er
hat“. Wenn man sich dieses vor Augen hält, wird man mit Neid
leichter fertig.“ Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“
sagt ein Sprichwort, aber wirklich nur kleine!
Was
anderes ist es, wenn ich z. B. Schulgeld
schenke, dann entlaste ich meine Partner persönlich, aber mache für die
Familie und die Gesellschaft eine langfristige Investition.
|
|
4) Sorgen:
Es
ist legitim, wenn Freunde und Partner die Sorgen des Anderen teilen:
Wie
soll es wirtschaftlich weitergehen in Tansania, in Makambako, in Konde, in
Njombe usw.?
Wie
soll es weitergehen mit dem Bevölkerungswachstum ?
Und
viele andere Fragen.
Umdenken,
liebe Freunde, kann nur effektiv durch die Betroffenen selbst gemacht
werden. Die Wirtschaftszwänge werden die meisten Probleme lösen. Eine
schnellere Lösung erwartet man im Schulwesen. Bis zur 7. Klasse haben die
Eltern noch viel Freude an den vielen Kindern (bis dahin kostet die Schule
nicht viel), aber dann heißt es zum größten Teil
entweder auf die Straße oder an die privaten und teueren
Sekundarschulen. Ich kann Euch versichern, daß viele Eltern sich
dann wünschten, sie hätten nicht so viele Kinder. Das spricht sich
herum, und so glaube ich, daß die Generationen des besseren Wissens,
sowohl wirtschaftlich als auch in der Frage der Familiengröße beweisen
werden, wo sie Veränderungen vornehmen müssen.
Wenn
alles zu glatt geht, dann wird es zur Selbstverständlichkeit, aber einige
Hürden erwecken Neugier etwas Neues zu lernen.
Vielen
Dank für Eure Aufmerksamkeit, Gott möge Euch die Kraft geben, die
Partnerschaft mit Liebe und Verständnis weiterzuführen.
Alles
Gute!
Reginald
Temu
München, den 18.01.1997
|
Weiterer
Beitrag
über
Herrn
Temu:
Reginald
Temu
aus
Tansania
lehrt
an
der
Münchner
LMU
Kiswahili
–
und
hat
auch
die
Schauspieler
von
„Nirgendwo
in
Afrika“
unterrichtet
Bericht
Süddeutsche
Zeitung
vom
25.
April
2003
über
Reginald
Temu
-
von
Nadeschda
Scharfenberg
|
|