Schneewittchen
in
Kenia
So
ähnlich
muss
das
gewesen
sein
mit
Juliane
Köhler,
als
Temu
mit
ihr
für
die
Rolle
der
Jettel
Redlich
übte.
Drei
Monate
lang,
intensiv.
Er
hat
ihr
die
Sprache
richtig
beigebracht,
mit
Grammatik,
Vokabeln
und
Hausaufgaben.
„Es
hat
keinen
Sinn,
wenn
sie
nur
plappert“,
sagt
Temu.
Wenn
sie
die
Passagen
in
Kiswahili
einfach
nur
auswendig
aufgesagt
hätte,
wäre
sie
weniger
überzeugend
gewesen.
Temu
sagt:
„Juliane
hat
schnell
Vertrauen
in
die
Sprache
gefasst.“
Wenn
er
seine
Schülerin
heute
trifft,
spricht
er
sie
immer
noch
in
der
Sprache
seiner
Heimat
an.
Sie
antwortet
ohne
Fehler,
„ein
gutes
Zeichen“.
Temu
lächelt,
wenn
er
über
Juliane
Köhler
spricht:
„Man
muss
die
Frau
betrachten...
wie
aus
Porzellan.“
Größer
können
die
Gegensätze
nicht
sein:
Schneewittchen-Haut
unter
der
sengenden
Sonne
Afrikas.
Die
Frau
sucht
Zuflucht
–
und
findet
eine
Heimat.
Ein
bisschen
sogar
im
richtigen
Leben.
„Es
war
nicht
bloß
Film“,
meint
Temu,
„es
ist
eine
Freundschaft
entstanden.“
Das
Film-Team
sammelt
noch
heute
Spenden
für
das
kenianische
Dorf Mukutani,
wo
„Nirgendwo
in
Afrika“
gedreht
wurde,
es
sollen
Schulen,
Straßen,
Wasserleitungen
gebaut
werden.
Temu
hat
Botschafter
gefunden,
prominente
Stimmen,
die
für
seine
Kultur
werben.
Seine
Augen
blitzen,
wenn
er
sagt:
„Ich
denke,
dass
wir
jetzt
noch
mehr
Menschen
gewinnen
können.“
Es
reiche
aber
nicht
aus,
seinen
Schülern
nur
die
Sprache
beizubringen.
„Ich
muss
sie
auch
in
meiner
Kultur
unterrichten“,
sagt
er,
„die
Kultur
ist
eine
Barriere.“
Das
hat
er
oft
feststellen
müssen,
wenn
er
als
Vorsitzender
des
Deutsch-Tansanischen
Freundeskreises
oder
als
Vorstandsmitglied
des
Afrika-
Zentrums
Kirchengemeinden
darüber
beraten
hat,
welche
Spenden
sinnvoll
sind.
Temu
kann
wunderbar
erzählen
davon.
Er
streicht
sich
über
seinen
Bart
–
und
legt
los:
„Eine
Gemeinde
in
Afrika
wollte
einen
Fotoapparat
haben.
Ich
habe
mir
meinen
Teil
gedacht,
aber
den
Deutschen
gesagt:
Bitte,
dann
kauft
eine
Kamera.
Also
schickten
sie
eine
Kamera
–
und
zwei
Monate
später
kamen
in
einem
Umschlag
die
voll
geknipsten
Filme
zurück.“
Temu
klatscht
die
Hände
zusammen
und
lacht:
„Man
glaubt,
dass
sich
in
Afrika
Dinge
in
zwei,
drei
Jahren
entwickeln,
die
in
Europa
hundert
Jahre
gebraucht
haben.“
Vielleicht,
überlegt
er,
haben
die
Worte
von
Schauspielern
und
Regisseuren
hierzulande
mehr
Gewicht
als
die
eines
Münchner Kiswahili-Lehrers,
vielleicht
lernen
die
Menschen
aus
berühmten
Mündern
mehr.
Temu
stellt
sich
eine
Podiumsdiskussion
vor,
mit
Juliane
Köhler,
der
Porzellan-Frau;
sie
soll
davon
erzählen,
wie
sie
bei
den
Dreharbeiten
drei
Monate
lang
ohne
Telefon
und
mit
Plumpsklo
lebte
und
doch
irgendwann
die
Angst
verlor
vor
Armut
und
Krankheit.
Neben
ihr
auf
dem
Podium:
ein
Afrikaner,
der
erst
begreifen
musste,
dass
in
Europa
das
Geld
nicht
vom
Himmel
regnet
und
auch
in
Deutschland
arme
Menschen
leben;
der
trotzdem
irgendwann
die
Angst
verlor
vor
all
dem
Neuen,
Großen,
Wirren.
Reginald
Temu,
im
Hauptberuf
Ingenieur,
hat
gelernt,
dass
es
mühsamer
ist,
Brücken
zwischen
den
Kulturen
zu
bauen
als
ein
paar
Betonpfeiler
in
einen
Fluss
zu
rammen.
„Man
muss
sich
treffen,
reden
und
alles
ständig
wiederholen“,
sagt
er.
„Dann
bleibt
das
im
Kopf.“